Tanzen, Fühlen, Sein
– Dein Weg zu Dir –



Licht und Schatten der Sensibilität
„Was Du wieder hast!“
„Du bist viel zu empfindlich!“
„Stell Dich nicht so an!“
„Reiß Dich doch mal zusammen!“
„Du musst Dir mal ein dickeres Fell zulegen…“
Wenn Dir diese Sätze bekannt vorkommen, dann weißt Du vermutlich, wie es sich anfühlt, mit feinen Antennen durch eine Welt zu gehen, die die meiste Zeit ziemlich laut, ziemlich schnell und voller Erwartungen ist.
Eine Welt, die uns gern das Gefühl gibt, irgendwie nicht richtig zu sein.
Zu sensibel.
Zu nachdenklich.
Zu emotional.
Einfach von allem ein bisschen zu viel.
Als wären wir verkehrt.
Irgendwann beginnen wir vielleicht zu glauben, dass das stimmen könnte.
Also versuchen wir, weniger zu werden.
Weniger empfindlich.
Weniger „komisch“.
Weniger wir selbst.
Manche von uns ziehen sich zurück.
Andere versuchen sich anzupassen.
Wieder andere bauen Mauern.
Weil es irgendwann leichter erscheint, sich zu schützen, als immer wieder verletzt zu werden.
Und dabei geht dann ein Stück von uns selbst verloren.
Vielleicht eines unserer wichtigsten und wertvollsten.
Nicht für immer.
Aber weit genug, dass wir uns selbst kaum noch hören können.
Ja, Sensibilität kann herausfordernd sein.
Sie kann erschöpfen.
Überwältigen.
Und manchmal auch ganz schön weh tun.
Aber sie schenkt uns auch die Fähigkeit, Dinge wahrzunehmen, die im Lärm des Alltags oft untergehen.
Die Wärme der ersten Sonnenstrahlen auf der Haut.
Das Gefühl von Moos unter den Füßen.
Der Duft von Kiefernnadeln.
Der Klang von Regen auf einem Blätterdach.
Diese kleinen Momente, die plötzlich alles für einen Augenblick still werden lassen.
Würdest Du das wirklich eintauschen wollen?
Nur um ein bisschen besser in die Welt zu passen?
Ich gebe zu: Es gibt Tage, an denen mir dieser Gedanke durchaus verlockend erscheint.
Tage, an denen ich meine feinen Antennen gern gegen ein etwas robusteres Modell eintauschen würde.
Aber sobald der nächste kleine Zauber um die Ecke kommt und mein Herz strahlen lässt, weiß ich wieder, warum ich es doch nicht anders haben wollen würde.
Das Problem liegt nicht in unserer Sensibilität.
Es liegt in einer Welt, die uns einreden möchte, dass Menschen immer funktionieren müssen und Gefühle da nur im Weg sind.
Dabei ist das Fühlen doch gerade das, was uns in unserem Mensch-Sein ausmacht.
Wenn uns etwas berührt.
Begeistert.
Verzaubert.
Uns einfach spüren lässt, dass wir lebendig sind.
Ich glaube der Schlüssel, um unseren Weg in dieser Welt zu finden, liegt nicht darin, unsere Sensibilität zu verbergen.
Sondern darin, ihr zuzuhören.
Ihr zu vertrauen.
Den Mut zu finden, ihr Schritt für Schritt mehr Raum zu geben.
Und es zu wagen, unseren Herzen zu folgen.
geschrieben von Tess, im Mai 2026
